Christus spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb 21,5)
Es ist noch gar nicht so lange her, da lernte ich einen neuen Begriff kennen: Exnovation. Bis dahin kannte ich halt sein Gegenteil: Innovation. Um es an einem Bespiel deutlich zu machen, was damit gemeint sein kann: Wir diskutieren in Zeiten von Veränderung nicht nur darüber, was alles neu gedacht und gemacht werden sollte, sondern auch was wir in der Konsequenz dessen eben auch sein lassen bzw. wovon wir uns verabschieden sollten. Da wird beispielsweise im Zusammenhang mit dem Klimaschutz überlegt, künftig auf Verbrennermotoren zu verzichten und stattdessen Elektromobilität zu fördern. Ein Verbrenner-Aus wäre demnach eine Exnovation, ein batteriegetriebener Elektromotor mit großer Reichweite eine Innovation.
Erneuerung und Veränderung sind zur Zeit vielbenutzte Begriffe. Wir merken in zig Lebensbereichen, wie viel neu überlegt und neu ausgerichtet werden muss, in der Wirtschaft, in der Politik, in der technischen Entwicklung von künstlicher Intelligenz usw., aber auch in Fragen unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts. Wir kommen gar nicht umhin, uns mit neuen Konzepten und Strategien zu befassen.
Auch im kirchlichen Bereich beschäftigen wir uns immer wieder mit der Frage nach Tun und Lassen. Was müssen wir lassen, wenn unsere kleiner werdende Organisation auch kleinere personelle und finanzielle Kapazitäten hat. Und dabei geht es dann nicht nur um die berühmten „alten Zöpfe“, von denen wir uns trennen müssen. Hier und da müssen wir auch sehr Bewährtes und Segensreiches in Frage stellen, müssen Orte neu denken, mit denen wir bislang ganz persönlich hoch verbunden waren: Können wir uns dieses oder jenes kirchliche Haus noch leisten? Oder finden wir vielleicht Kooperationspartner, die mithelfen, die mitnutzen, mittragen? In den kommenden Jahren werden uns diese und ähnliche Fragen auf vielen Ebenen intensiv beschäftigen und dabei geht es uns in der Kirche nicht anders wie in zig anderen Bereichen unseres Lebens.
Soweit also alles klar? Klar doch, Innovation muss sein, und dazu gehört zwangsläufig auch Exnovation. Ja, das ist wohl so und ist doch noch nicht alles für Menschen, die wissen, dass eben nicht alles im Leben von menschlichen Möglichkeiten und Kräften abhängt. Die Jahreslosung 2025 macht darauf unmissverständlich aufmerksam: „Siehe, ich mache alles neu!“ Zu unterstreichen ist dieses „ich“. Im Zusammenhang dieses vorletzten Kapitels der Bibel wird uns die Vision des Johannes überliefert, der einen neuen Himmel und eine neue Erde sieht, ein „neue[s] Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen“ (Offb 21,1f). Und mit dieser wunderbaren Vision einher geht auch eine nicht weniger wunderbare Audition: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein“ (Offb 21,4). Augen und Ohren des Johannes sehen in der Ferne eine neue Wirklichkeit, die schon jetzt das Leben in der Nähe beeinflusst. Schon jetzt wirkt diese wunderbare Offenbarung, weil sie deutlich macht, dass unsere eigenen Wahrnehmungen eigentlich nur vorläufig sind. Letztlich ist es ein anderer, der alles neu macht! Gottes Innovation reicht viel weiter als nur über die nächste Stufe technischen Fortschritts.
Gottes Innovation betrifft unser ganzes Menschsein, das eben nie mit Produktzyklen zu vergleichen ist, sondern dessen Ziel ein Leben bei und mit Gott ist, jenseits unseres Horizonts von Exnovation und Innovation. Am Ende steht dieses „Siehe, ich mache alles neu!“ Welch ein Grund zur Hoffnung, über alles um uns herum Sicht- und Hörbare hinaus,
meint Ihr
Dekan Marcus Keinath